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Dez 11

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Stahlrösser machen bei Vogtland-Tour mächtig Eindruck

Zwei Dampfloks haben am Samstag knapp 1000 Fahrgäste auf nostalgischen „Lichtlfahrten“ durch das verschneite Vogtland gezogen. Ein fast perfektes Erlebnis …

Falkenstein/Zwotental. Ein heiseres Pfeifen durchschneidet am Samstagmittag die Luft. Das heißt: Es geht los. Langsam setzt sich die massige Dampflok in Bewegung. Und mit ihr sieben Waggons. Das heißt auch: 500 Frauen, Männer und Kinder, die vor 20 Minuten noch am Gleis auf dem Falkensteiner Bahnhof dicht gedrängt im Schneegestöber warteten, haben sich auf die Abteile verteilt und beginnen, Erinnerungen auszutauschen. Die „2. Vogtländische Lichtlfahrt“ nimmt ihren Lauf – über Auerbach, Treuen, Herlasgrün, Plauen, Adorf, Gunzen, Muldenberg, Grünbach und zurück nach Falkenstein.

Auf Rundfahrt durch die verschneite Landschaft nebelt der Sonderzug alles ein. Auch Fotografen an der Strecke, die den seltenen Anblick im Bild festhalten wollen. Wer das Gesicht in Kurven ans Fenster presst, kann die Lok bei der Arbeit beobachten. Richtig viel zu tun bekommt sie auf der Rückfahrt. „Ihre größere Schwester hängt hinten dran. Die schiebt uns von Adorf nach Schöneck den Berg rauf. Da werden 300 Höhenmeter überwunden“, erzählt Zugbegleiter René Kästner. Mit der Schwester ist eine 2400 PS starke Diesellok gemeint. Die 62 Jahre alte dampfende Zugmaschine mit der Seriennummer 35 1097-1 bringt es auf 1700 PS. „Aber auch die müssen vom Heizer erst mal erzeugt werden“, so Kästner. Er steuert normalerweise einen ICE und mag den Kontrast. „Das hier ist noch richtige Eisenbahn“, findet der Werdaer. Am Vormittag zog eine andere historische Lok Gäste durch das Vogtland. Dort schaufelte René Kästner als Heizer Kohlen. Allerdings schaffte es der Zug nicht bis zum Ziel. Zumindest nicht mit seiner Dampflok. Bei Grünbach machte es ein technischer Defekt notwendig, sie durch eine Diesellok zu ersetzen. „Das war schade, aber es ist nichts passiert“, sagt der Falkensteiner Ideengeber und Hauptorganisator Jürgen Lohs. Alle sechs Waggons seien gut gefüllt gewesen. Die zweite Fahrt ist mit etwa 500 Personen ausverkauft.

Dietmar Stark aus Reumtengrün hat seinem erzgebirgischen Schwager mit der knapp vierstündigen Fahrt quasi ein vorfristiges Weihnachtsgeschenk gemacht. „Er ist totaler Eisenbahnfan“, sagt er. Und der Beschenkte genießt das Erlebnis.

Bei Günter Schrebb weckt die Fahrt vor allem Erinnerungen an seinen Vater. „Er hat jede Nacht von Greiz bis Adorf einen Güterzug gefahren“, erzählt der 58-Jährige.

Dietmar Stark mag die Technik und Nostalgie. „Ich kenne das aus DDR-Zeiten, als ich bei der Armee war. Wir sind von Zwickau bis Usedom mit so einer Lok gefahren“, schaut er zurück. „Das war der Bäderzug Zwickau-Binz.“ Auf Annehmlichkeiten wie einen Sitzplatz musste Dietmar Stark damals größtenteils verzichten. „Als Soldat war stehen angesagt – bis hoch“, so der 62-Jährige.

Möglich machen die „Lichtlfahrten“ und die alle zwei Jahre im Frühling stattfindenden „Dorf-Ausfahrten“ eine Gruppe von acht bis zehn ehrenamtlichen Gleichgesinnten um den 57-jährigen Jürgen Lohs. Bahnen und Personal stammen von einer Glauchauer Interessengemeinschaft und der Preßnitztalbahn. Unterwegs leisteten am Samstag zwei Firmen mit Tankwagen und die Feuerwehren Falkenstein und Eich mit Wasser vom Hydranten Hilfe. Ohne Nachfüllen hätte sich kein Rad gedreht.

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