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Sep 26

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Schienenverkehr im Vogtland steht vor neuer Weichenstellung

Am 7. Dezember werden es 145 Jahre, dass die Konzession der Strecke Chemnitz-Aue-Adorf vergeben wurde. Zum Jahresende 2017 soll der Abschnitt zwischen Adorf und Zwotental stillgelegt werden. Die Bedeutung der Bahn für die Region hat sich verändert.

Adorf/Schöneck. Es sind vor allem die Regio-Sprinter und Regio-Shuttle der Vogtlandbahn, die das Eisenbahnbild im oberen Vogtland bestimmen. Die Bedeutung der Eisenbahn im Vogtland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert, allein zwischen Falkenstein und Klingenthal ist der Güterverkehr seit 1994 eingestellt.

Die Strecke von Chemnitz über Aue nach Adorf war seinerzeit eine Herausforderung – sowohl für den Bahnbau, als auch für die Technik. Steigerungen von 1:40 (auf 40 Metern Strecke 1 Meter Höhenunterschied) zwischen Adorf und Schöneck haben fast alpinen Charakter. Dafür bedurfte es leistungsstarker Maschinen. Gebaut wurden solche in der von Richard Hartmann und August Götze in Chemnitz gegründeten Sächsischen Maschinen- fabrik. Die erste Lok wurde 1848 ausgeliefert, die 1000. verließ 1878 das Werk. Auf Ausstellungen in Paris und London gab es Medaillen für die Chemnitzer Maschinen.

In Adorf stationiert waren unter anderem mehrere Exemplare der vom Schweizer Anatole Mallet 1886 entwickelten und bis 1903 bei Hartmann in Chemnitz gebauten Verbund-Güterzugs-Lok, die eine Leistung von 850 PS hatte. Der Klingenthaler Friedrich Jaeger (1892-1975), der die große Zeit der Dampfloks im Vogtland miterlebte, hatte vor fast 60 Jahren im „Kulturboten für den Musikwinkel“ mehrere Aufsätze über die Maschinen verfasst, die in der Region im Einsatz waren. Mallets Verbund-Güterzugs-Lok war nach seinen Informationen vor allem als Güterzuglok auf der Strecke zwischen Plauen und Eger/Cheb im Einsatz, auf der Strecke zwischen Adorf und Schöneck diente sie meiste als Vorspannlok.

1902 hatte Hartmann eine Lok entwickelt, die auf ebener Strecke Lasten von 1600 Tonnen ziehen konnte. Zwischen Adorf und Schöneck war dieser Typ als Schiebelok im Einsatz, wie Jaeger berichtete. Die ungewöhnliche Konstruktion sorgte nach seinen Berichten für ein besonderes taktmäßiges Geräusch beim Fahren – man konnte ihren Einsatz hören, ohne sie zu sehen.

Das Fahren mit Vorspannlok war auch auf der Strecke von Klingenthal über Zwotental nach Schöneck üblich, vor allem für die Kohlezüge, die aus dem Falkenauer Revier kamen. Am 8. Juni 1905 berichtete die „Klingenthaler Zeitung“, dass zwischen Zwotental und Schöneck erstmals ein Güterzug von vier Maschinen gezogen wurde.

Unabhängig davon, ob die Strecke zwischen Zwotental und Adorf erhalten werden kann, die Eisenbahn im Vogtland bleibt in der Diskussion. Die Strecke zwischen Falkenstein und Klingenthal ist wegen der Auslastung weiter unter Beobachtung. Der Güterverkehr geht am Vogtland weitgehend vorbei. Hof wird zu einem Container-Umschlagplatz zwischen Hamburg/Bremerhaven und Verona (Italien) ausgebaut, bis zu 80.000 Container sollen künftig umgeschlagen werden. Hof hat seit 2015 wieder direkten Bahnanschluss nach Eger/Cheb.

Die Modernisierung der Bahnstrecke zwischen Plauen und dem westböhmischen Eger/Cheb und die damit verbundene Elektrifizierung des Streckenabschnitts von Plauen über Adorf und Bad Brambach nach Voitersreuth/Vojtanov hatte Landrat Rolf Keil (CDU) im August 2016 als Schwerpunkt der Zusammenarbeit des Vogtlandkreises mit dem Karlsbader Kreises bezeichnet.

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